Anstand

Heute im Gedankenarchiv:

Auf der Suche nach einem Gedanken fand ich dieses Wort: „Anstand“.

Das hatte ich lange nicht mehr gehört! Sagte man heutzutage überhaupt noch Anstand? 

Und schon entstand die Idee zu einem Märchen.

  

  

Es war einmal ein Wort, das hieß „Etikette“. In feinen Kleidern reiste es an die Königshöfe und war dort gern gesehen. Alle Welt kannte die Etikette, manche nannten sie wegen ihrer langen Aufenthalte an den Höfen auch „Höflichkeit“.

Die Zeit verging und die Menschen veränderten sich. Plötzlich sah sich die Etikette von Feinden umgeben.

„Verschwinde“, drohte man ihr, „Wir brauchen dich nicht mehr!“

Tief verletzt verließ sie das Land. 

Erst Jahre später erhielt sie eine Bleibe. 

In Supermärkten ließt man oft von Etiketten, doch niemand erkennt die verlorene „Höflichkeit“ in diesem Wort. Auch die Etikette selbst vergaß nach und nach ihre eigene Bedeutung. 

„Als ich neulich an der Schlange bei Thalia anstand…“, hörte die Etikette einen Menschen sagen.  

Etwas in ihrem Inneren bekam neue Kraft. Konnte es sein, dass..? 

Sie hatte eine neue Chance bekommen!

Unter dem Namen „Anstand“ wagte sie einen letzten Versuch.  

Sie erinnerte sich an ihre Bestimmung, die Welt besser zu machen, höflicher zu machen.

Seitdem zieht sie durch die Welt und bringt den Leuten „Anstand“ bei. Doch sie ist vorsichtiger geworden.  

Sollte die Menscheit wieder zu der Ansicht gelangen, ihre Tugend sei überflüssig, so würde sie vollends verschwinden und nie wiederkehren.

 

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