Nele

Wir sitzen zu zweit auf der Wiese hinter dem Haus.

Ich lese ein Buch und sehe ab und an nach dir. Du tobst und jagst auf deinen kurzen Dackelbeinen unsichtbare Beute.

Deine Ohren flattern wild im Wind, deine Nase ständig auf der Suche nach neuen Gerüchen.

Schwanzwedelnd kommst du zu mir, siehst mich aus deinen treuen braunen Augen an.

Ich brauche nichts zu sagen. Wir verstehen uns ohne Worte.

Du legst deinen Kopf auf meinen Schoß, schließt die Augen.

Meine Hand fährt durch dein borstiges Fell. Erst streichel ich deinen Kopf, fühle die Biegung deines Halses und komme an deinem Rücken an.

Deine Pfote zuckt kurz, dann gibst du deinen Bauch frei. Ich erfülle dir diesen Wunsch gerne.

Wann habe ich dich das letzte Mal gestreichelt..?

    

   

Ich halte mitten in der Bewegung inne.

   

  

Du knurrst. Es ist dieses auffordernde Knurren. 

Als ich nicht reagiere, hebst du den Kopf, siehst mich aus deinen warmen Augen an.

Diese Augen. 

„Nele?“, spreche ich deinen Namen laut aus. Ich habe diesen Klang vermisst.

Du stellst die Ohren auf. Wartest.

   

„Es ist in Ordnung“, sage ich, „Nicht schlimm!“

Du bewegst dich nicht. Schaust mich weiter an. Fragend.

Ich strecke meine Hände nach dir aus, genieße das Kitzeln deiner Dackelschnauze.

Deine Zunge schnellt hervor und bedankt sich für die Berührungen.

Dann legst du deinen Kopf wieder auf meinen Schoß und schließt die Augen.

  

Wir wissen beide von den Umständen unseres Treffens.  

Es ist ein Traum. Nicht real.

Du bist tot. Konntest mich nicht für immer begleiten. 

Es ist uns egal.

Ich habe schon immer lebendig geträumt und bin dankbar dafür.

  

Als ich aufwache bin ich traurigglücklich.

Ob du das gleiche geträumt hast?

  

 

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3 Gedanken zu “Nele

  1. Hallo. Mir ist nun mulmig zumute. Ich bzw. wir hatten auch einen Rauhaardackel mit dem Namen Nele. Er begleitete uns leider nur neun Jahre und musste eingeschläfert werden wegen schwerer Krankheit. Mir blutet noch das Herz. Und jetzt lese ich hier deine Geschichte.

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  2. Nele hat mich 16 Jahre lang begleitet…
    Obwohl es nicht plötzlich kam, fällt mir die Leere in den banalsten Situation auf.

    Wenn Hunde zu Familienmitgliedern und Lebensbegleitern werden…
    Trauer ist nur ein Zeichen dafür, dass die Erinnerungen an und mit Nele schön waren. Die Zeit mit ihr.

    Gefällt 1 Person

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