Liebstes Missverständnis #1

…oder: warum es nicht immer ein Sofa sein kann.  

 

 

 

Winter 2013

Ich bin überrascht, wie merkwürdig ich mit meiner Trauer umgehe. 

In meinem Inneren kämpfen Vernunft und Gefühl um die Oberhand. 

„Es ist doch nur ein Kaninchen gewesen!“, ruft die Vernunft. 

„Von wegen“,hält das Gefühl dagegen,“Hast du nicht mitbekommen, wie zutraulich und anhänglich es wurde?“ 

„Es ist trotzdem tot. Altersschwäche“, zuckt die Vernunft die Schultern, „Jetzt haben wir wenigstens mehr Platz“

„Du bist gerade unangebracht!“,entrüstet sich das Gefühl. 

 

Während sich die beiden in meinem Kopf streiten, putze ich die ganze Wohnung. Das Hasenspielzeug verstaue ich und schmeiße es nach einigem Zögern weg. 

Keine Haustiere mehr. Nie wieder. Oder wenigstens für eine Weile nicht mehr. 

 

Ich halte mich beschäftigt, wische sogar Staub. Stelle das große Auslaufgitter und das neu gekaufte XXL-Haus bei ebay rein. 

Zwischen Aufmunterungsversuchen meiner Familie meldet sich meine Vernunft wieder. Scheinbar haben die beiden einen Kompromiss gefunden.

Das Zauberwort heißt: Neuanfang

 

Wie eine Besessene suche ich im Internet nach gemütlichen Sesseln. Eigentlich Sofas.

Ein Sofa hatte ich bisher nicht in meiner 40 Quatratmeter-Wohnung unterbringen können. 

„Zu viel Freiraum“ hatte ich dem Kaninchen zugestanden.

Jetzt war da Platz. 

Einen Moment ekel ich mich vor meiner verschleierten Trauer, dann klicke ich weiter. 

Klicke.

Weiter.

Und finde: einen Neuanfang

 

 

 
– Teil 1/3  „Liebstes Missverständnis“ –

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