Auf dem Weg zur Lyrik

Am Anfang liebte ich den Reim,

Schrieb‘ in der Schule, schrieb‘ daheim, 

Vier Zeilen klappte meistens gut, 

Es machte Spaß und gab mir Mut. 

 

Doch später dann, da gab es mehr,

Wie Senkungen und Hebungen. 

Wie tu ich mich auch heut‘ noch schwer 

Mit lyrischen Verrenkungen. 

 

Der Kinderreim – er schien so fern,

Ja manchmal brauchte es ihn nicht.

Auch ohne Wohlklang, ohne Reim,

Schrieb mancher Dichter sein Gedicht. 

 

Die Stilmittel, sie mussten rein,

Und manches rätselhafte Wort.

Auf‘ s „tu“ verzichten, das ist klar,

Muss jeder Schreiber, jeder Dichter.

 

Wie viele Regeln fand ich dort,

In Büchern und in Lexika? 

Die Strenge schrie mir laut ins Ohr

– ich brachte kein Gedicht hervor. 

 

Drum bleibe ich bei meinem Stil. 

Er ändert sich, doch sind es immer,

Die Emotionen, das Gefühl! 

Die Strenge machte es nur schlimmer. 

 

Solange ich Gefühle heg‘,

Solange ich Gedanken binde,

So findet jedes Wort den Weg

Und ich, ich bleib im Herzen Kinde. 

 

 

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5 Gedanken zu “Auf dem Weg zur Lyrik

  1. Der Reim war einmal nötig, weil Gedichte ursprünglich für den mündlichen Vortrag geschrieben wurden. So ist er heute noch unabdingbar beim Lied oder in der Büttenrede. Im Lesegedicht ist der Reim obsolet oder hie und da als Schmuckmittel erlaubt. Durchgängig gereimte Poems werden allerdings auch gerne im Scherzgedicht oder in der Satire genutzt. Reimen kann jeder mit ein wenig Übung. Manche meinen, sie wären Dichter, weil sie reimen und der reim schenkt ja auch der banalsten Aussage ein magisches Gewicht. Das ist meine Meinung zum Reim. Ich wünsch dir noch viel Freude beim Schreiben und einen guten Wochenanfang 🙂

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  2. Danke!
    Ja..zu manchen Themen macht sich ein Reim ganz gut, bei anderen Themen stört ein Reim eher.
    Da hilft nur ausprobieren.
    Ein bisschen wie puzzeln….man hat ja das Thema und auch ein paar Worte. Die müssen nur noch in eine Form zusammengebracht werden, die gut passt.

    Komm‘ du auch gut in und durch die Woche ☺

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  3. Das freut mich, dass du das auch erkannt hast. Ich hab beim Schreiben immer das Gefühl, dass sich das Thema bzw. die Worte selbst die passende Form suchen. Deshalb passt der Reim auch bei deinem Gedicht oben: Man hört dich quasi vor sich vortragen. Und die Idee wieder an den Anfang zurück zu kommen wie im Rondell, also wieder Kind zu werden oder das Kind anzunehmen und liebzudrücken mit all seinen Stärken und Schwächen, am Beispiel des Gedichtes und das Gedicht dabei selbst zum Gegenstand zu machen, ist genial. — Am Anfang steht immer das Kind und sein Wort. Die Theorie, die Poetik, die Regel ist sekundär und nicht bindend. Will sagen: Zuerst war das Wort und dann der Duden, nicht umgekehrt. Mit dir machts Spaß zu diskutieren. Danke! 🙂

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  4. Bin mir nicht mehr sicher, ob Goethe oder Schiller – einer der beiden hat alle damaligen Regeln der Poetik verinnerlicht und vorsätzlich nicht benutzt….und sie ab und an sogar parodiert 🙄

    Ach ja..solche Diskussionen könnte man ruhig öfter führen…
    Danke dir!

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  5. Die großen Klassiker haben sich nie so ganz auf die Regeln verlassen. Ein Gedicht ohne „Fehler“ leiert einfach nur runter. Bei Heine hab ich das oft gefunden, dass das Metrum nicht stimmt oder sogar der Endreim nicht reimt (auf den Reim verzichten, weil ein Wort eben treffender ist, das nicht ins Reimschema passt) und das fällt überhaupt nicht auf, wenn der Rhythmus stimmt und es macht das Lesen zudem spannend, wenn es nicht ruckelt. Die Rapper machen es auch so, ziehen sogar notfalls beim Sprechgesang zwei unbetonte Silben zu einer betonten zusammen und der Rhythmus stimmt auch, aber es klingt dann etwas ungewöhnlich, wenn Worte schneller gesprochen werden als vorgesehen, damit sie in das Auf und Ab der Hebungen und Senkungen passen. Eigentlich ist heute alles möglich. Hauptsache, der Text übt eine Wirkung aus oder berührt die Sinne, das Herz usw. Nur mag ich keine Texte, die mit großen Worten verstecken, dass sie eigentlich nichts oder nichts Neues zu sagen haben. Aber manche mögene auch die Worte der Worte willen, alles Geschmackssache. So, ich muss dann mal in die Gänge kommen. Bis dahin alles Liebe, PP 🙂

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