Der Kapitän

Er bereiste die Weltmeere, 
Doch nie hatte er einen richtigen Heimathafen. 

Das Meer war sein Vertrauter, der Wind sein bester Freund. 

Dort fühlte er sich frei! 

Ab und an waren da Möwen, die ihn wie Sirenen betörten, beschwörten, er möge doch an Land kommen. 

Treu blieb er an der Seite des Meeres. 

 

Inzwischen hat ihn das Alter eingeholt.

Es nahm ein Netz und fischte den Kapitän aus seinem Lebenstraum. Schmiss ihn an Land und lässt ihn seitdem zappeln. 

Die Lichter der Stadt, in der er lebt, lassen keinen Platz für Sterne, an denen er sich orientieren kann.  

Seekrank war er nie, doch torkelt er, als sei er landkrank. 

Die Leute belächeln den alten Mann und tuscheln über die heruntergekommene Gestalt.  

Sie reden mit ihm, als sei er verrückt. 

Stumm kauft er sich schon morgens genug, um die Stimmen am Mittag nicht mehr hören zu müssen. 

Er weiß, dass es nicht die wahre Freiheit ist. 

Aber nur seine Mütze und der Schnaps nehmen ihn wieder mit in die Zeit, in der er noch wirklich frei war.  

  

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