Familienfeier: Opa Herbert

Nach der Feierstunde zur Jugendweihe meines Cousins ist Opa Herbert der Erste, der das Kino verlässt. Er muss eine rauchen. 

Beim Umarmen achte ich darauf, seiner Kippe aus dem Weg zu gehen. Sein Atem rauchgeschwängert und voll freundlicher Worte. Wir haben uns lange nicht gesehen. 

    

  

Auf dem Hof mit der hergerichteten Garage sehen wir uns wieder. Seine rauen Hände klopfen mir grob auf die Schulter, ehe eine Umarmung daraus wird. „Schön, dass du da bist“, sagt er schon zum zweiten Mal. Ich frage ihn, ob er auch mit rein kommt, doch er verneint. Er muss noch eine rauchen. 

     

Opa Herbert sitzt mir gegenüber. Zu seiner linken Tante Molly, zu seiner rechten eine Flasche Bier. Immer, bevor er etwas sagt, schmatzt er nervös und schluckt schwer. Heute erzählt er viel. 

Häufig schaut er mich einfach nur an und lächelt. Sein grauer Schnauzer ist durch das Rauchen vergilbt. Meine Mutter setzt sich weg, als er sich eine Zigarette anzündet. Ich bleibe. 

Manchmal ist es gut, keinen Geruchssinn zu haben.  

  

  

Ich verlasse die Garage um etwas Luft zu schnappen. Er folgt mir und fängt mich auf dem Hof ab. „Warte“, streckt er seinen Arm aus und nimmt mich erneut in den Arm. Zwischen seinen gemurmelten Worten höre ich es ein drittes Mal: „Schön, dass du da bist“

Ich erwidere die Umarmung und antworte: „Ich bin auch froh, wieder hier zu sein“

Das stimmt sogar. 

 

Obwohl ich den dörflichen Smalltalk nur belächeln kann, freue ich mich, meine Verwandten zu sehen. 

Hier hat sich nichts geändert. 

  

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