Der Junge und der Gedankenarchivar

Vorgeschichte zu Drei Träume

Die Türglocke des Archivs kündigte Besuch an. Eine Kiste Gedanken tragend, ging der Gedankenarchivar nach dem Gast sehen. Es war ein kleiner Junge, der schon damit begonnen hatte den Raum nach etwas abzusuchen. „Kann ich dir helfen?“, fragte der Archivar und stellte die schwere Kiste ab. Schwermütige Gedanken sollte man nie zu lange bei sich tragen.

„Gibt es hier auch Ideen?“, wollte der Junge wissen, „Für Geburtstage, meine ich.“

„Das ist ungewöhnlich“, gab der Archivar zu, war aber bestrebt zu helfen, „Was genau schwebt dir denn vor?“

„Das Geschenk soll für jemanden sein, den ich mag.“, sagte er. „Sie geht gerne auf Reisen und entdeckt neue Orte.“

„Eine Abenteurerin also.“, grübelte der Gedankenarchivar und verschwand zwischen den Regalen. Er kannte seinen Laden in- und auswendig. Nur kurz darauf hatte er einen weiteren Karton bei sich.

„Da sind alle Gedanken zum Thema ‚Reisen‘ drin.“, erklärte er und lud den Jungen ein, in der Kiste zu stöbern.

„Hmmm“, konnte sich der kleine Kunde nicht richtig für etwas begeistern.

„Nichts dabei?“, fragte der Archivar nach und beugte sich etwas herunter, „Du willst etwas besonderes, nicht wahr?“

„Ja“, nickte er, „am liebsten würde ich sie ja in meine Träume mitnehmen. Da gibt es so viele Orte, die ich ihr zeigen könnte.“

„Verstehe! Dann machen wir das doch!“, zwinkerte der Gedankenarchivar.

„So etwas geht nicht!“, behauptete der Junge, folgte der Gestalt aber dennoch ins Innere des Archivs.

„Jetzt erzähl mir….sagen wir drei Träume.“, nahm der Archivar auf einem Sessel Platz, „Ich mache dann Gedanken daraus, die du mitnehmen und ihr schenken kannst.“

Da setzte sich der Junge zu ihm, schloss die Augen und begann zu erzählen.

Es war schon spät, als der Archivar dem Jungen die verpackten Gedanken mitgab. „Sag mir dann, wie ihr das Geschenk gefallen hat.“, verabschiedete er sich und drehte das Schild an der Tür um. Das Gedankenarchiv hatte für heute geschlossen.

Ein paar Nächte später erlebten das erste Mal zwei Menschen gemeinsam die gleichen Träume.

  




– Beitragsbild zusammengestellt und bearbeitet vom Gedankenarchivar –


Advertisements