Verzaubert

Es war einmal ein Königreich in dem es strenge Regeln für die Liebe gab. Niemand durfte einfach den lieben oder heiraten, den er wollte. 

In diesem Königreich lebte Michaela. Sie war die Gärtnerin des Schlosses und hütete ein großes Geheimnis: Sie war in die Köchin Undine verliebt.

Die beiden Frauen trafen sich jeden Tag nach der Arbeit und waren schon seit vielen Jahren Freundinnen geworden. 

Eines Abends sprang aus dem Gebüsch ein Reh und erschreckte Michaela so sehr, dass sie ohne nachzudenken Undines Hand griff. Die Freundin hatte nichts dagegen und hielt sie den Rest des Weges. 

Michaela lag darauf die ganze Nacht wach. Sie wollte unbedingt wissen, ob Undine auch in sie verliebt war. In dem Königreich war es aber verboten, dass zwei Frauen sich liebten! Die Gärtnerin wusste nicht, was sie tun sollte. 

Wenn Undine sie auch liebte, könnten sie beide zusammen aus dem Königreich fliehen. War Undine aber gegen diese unerlaubte Liebe, könnte sie Michaela an den König verraten. Immerhin arbeitete Undine auch im Schloss. 

  

Am nächsten Tag konnte die Gärtnerin gar nicht schnell genug mit der Arbeit fertig werden. Als endlich der Abend kam und sie das Schloss hinter sich gelassen hatten, fragte sie ihre beste Freundin: „Undine? Was würdest du sagen, wenn ich gegen das Gesetz lieben würde?“

Ihre beste Freundin überlegte kurz, fasste Michaela dann aber bei der Hand: „Dein Geheimnis ist bei mir sicher, wir sind doch Freunde!“

Michaela strahlte und erwiderte den Händedruck. Doch dann sprach Undine weiter: „So lange du nicht in mich verliebt bist, ist alles gut.“

Während Undine mit ihrem Lachen versuchte ihre Freundin zu beruhigen, brach es Michaela das Herz. Sie verließ noch in der selben Nacht das Königreich.

Sie konnte Undine und das Königreich nicht länger belügen.

    

   

  

  

 

Nachwort: 

Anlässlich des heutigen internationen Tages gegen Homophobie ein kleines Märchen, das gar nicht so märchenhaft ist. Kaum zu glauben, dass noch bis 1990 Homosexualität als Krankheit galt! Auch heutzutage gibt es leider noch viel zu viele Menschen, die Homosexualität nicht akzeptieren, oder nur als „Phase“ verstehen.

  

FunFact: Es gibt viele Bezeichnungen für ‚homosexuell‘. Am Häufigsten höre ich ‚verzaubert‘, oder ‚andersherum‘.

Welche kennt ihr? 

  

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13 Gedanken zu “Verzaubert

  1. Ist schon seltsam, dass es im Jahr 2017 immer noch Menschen, Religionen und Staatsformen gibt, die nicht jeden seine Sexualität ausleben lassen. Wenn du lesbisch bist, ist es doch deine Sache und ändert nichts an meiner Zuneigung zu dir und deinem Blog, zu deiner künstlerischen Kreativität und zu deinem freundlichen Wesen 🙂

    Tolle Geschichte übrigens und so lebensecht: Das passiert wohl öfters, dass man auf einen Menschen trifft, der zwar Verständnis hab, aber doch selbst nicht die Sexualität oder auch die sexuellen Vorlieben (auch unter Heteros) teilt.

    Pass auf dich auf und lass es dir gut gehen ..

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  2. Ich bin noch dabei, mich einzuordnen 🙄 Die Geschichte ist so ähnlich meiner Mutter passiert, die inzwischen glücklich mit einer anderen Prinzessin l(i)ebt.
    Hab zum Muttertag also gleich 3 Texte geschrieben: Für Muttern und zwei Stiefmamas. ☺

    So lange es aber auch Menschen gibt, die so offen und verständnisvoll sind, wie du, mache ich mir ein paar weniger Sorgen um die Gesellschaft.

    Ps: Irgendwie bekomme ich keine Nachrichten mehr von deinem Blog. Gehe ich dann den kleinen Umweg über dein Bild, zeigt wordpress mir an, der Blog sei privat 😮
    Hast du das generell umgestellt, oder weiß da wordpress mehr, als du?
    Ansonsten gehe ich natürlich einfach weiter den Schleichweg: Schließlich finde ich ja doch ab und an zu deinem Blog 🤗

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  3. Ist alles nicht so einfach im Leben .. Aber man muss sich annehmen wie man ist. Ich glaub in den Träumen der Pubertät erfährt man schon, wo die Schwerpunkte liegen und wenn man für beide Seiten offen ist, umso größer die Auswahl an Partnern. Ich bin nicht schwul, aber ich hab mir die Rosa-Wölkchen-Faschingsitzung aus Mühlheim im Fernsehen angeschaut, weil da richtig der Bär tanzt. Ich bin da wirklich sehr offen, nur sollte mich kein Mann anrühren oder Ähnliches.

    Ich hab dich jetzt auf mein persönliches Blog angemeldet und zugelassen. Du hast noch nie hier kommentiert. Ist aber auch nicht Pflicht: Wer nur lesen möchte, kann nur lesen.

    Das mit dem Schleichweg finde ich ja amüsant: „Nein Herr Richter, ich bin kein Hacker, suche nur gern die Schleichwege ..“ 🙂

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