Eintrittskarte

Gewidmet Herzkoma. Hier eine Szene für dich, wie sie der Gedankenarchivar wahrgenommen hat. 
   

   

   

   

   

   

Die Straße, in der das Gedankenarchiv lag, war alt und wenig bewohnt. Die kleinen Läden, die dort aufmachten, hielten meist nicht länger als ein Jahr.

Meist.

Ausnahme war der Laden mit den verhangenen Fenstern. Den gab es bereits bevor das Archiv eröffnet hatte. Ab und an schien warmes Licht durch die dünnen Vorhänge. Dann presste der Gedankenarchivar sein Gesicht gegen die Scheibe und versuchte etwas zu erkennen.

Eine Galerie? Ein paar Mal erhaschte er einen Blick auf eines der Gemälde und wollte mehr sehen. Wie viele solcher Bilder mochten hier noch auf ein Publikum warten?

Jeden Tag kam der Gedankenarchivar an der Galerie vorbei. Jedes Mal musste er an die Gemälde denken, die er sah.

Die Gedanken an den mysteriösen Maler verfolgten ihn wie Katzen. Um seine Beine schlichen zwei besonders aufdringliche Gedanken.

„Klopf doch einfach an!“ War ein schwarzes Tier mit dunklen Augen und vorwurfsvollem Blick. „Warum die Vorhänge?“ dagegen war eine Glückskatze, dreifarbig und stets schnurrend.

Egal, wohin der Archivar ging – Die Gedanken verfolgten ihn. 

Eines Abends lag eine Eintrittskarte für den Besuch der Galerie auf seiner Theke. Wer sie dort hingelegt hatte, stellte sich erst eine Woche später heraus.

Da öffnete sich für ihn die Tür in die Galerie und in das Gedankenleben des Malers, den er sofort als einen seiner Stammkunden erkannte.

Gefesselt von der Einzigartigkeit der Bilder, vergaß der Archivar ganz, dem Künstler eine Rückmeldung zu geben.

„Ich lasse Bilder lieber still auf mich wirken“, erklärte der Archivar verlegen. Um ihn flatterten bereits neu geborene Gedanken zu den Bildern.

Später würde er sie ausgereift dem Maler schenken.

   

    

    

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5 Gedanken zu “Eintrittskarte

  1. Du kennst meine bunte Glückskatze, den Butzel? Hatte ich aus dem Tierheim geholt und sie war sehr ängstlich und ich hab lange gebraucht, bis sie Zutrauen hatte und dann war es die beste Katze, die man sich denken kann. Ich hab mit ihr Bällchen gespielt und die Kordel gezogen, damit sie wieder lernt, dass sie auf die Möbel und aufs Bett darf. Sie muss böse Erfahrungen gemacht haben. Wenn ich zuletzt als Kampfsportler Dehnungübungen gemacht habe, ist sie über mein Bein zwischen Spüle und Tisch gelaufen. Sie war schon älter. Als sie dann eines Tages einfach von der Fensterbank auf den Boden fiel, wusste ich, dass sie tot ist. Trotzdem noch mir ihr zum Tierartzt. Aber nix mehr zu machen. Da weinen auch harte Männer.

    Ich hab gelesen, dass der Macho-Schriftsteller Ernst Hemingway mehrere Katzen hatte und als eine sterbenskrank war, sie erschossen hat und dabei Tränen in den Augen hatte.

    Tja, die Frage ist, sind wir Männer wirklich so hart wie wir tun oder ist es nur von der Natur so eingerichtet bzw. durch Hormone so gesteuert, dass wir eben raus müssen, die Dinos erlegen, um Futter in die Höhle zu bringen?

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  2. Butzel….🙄

    Glaube, die Natur hat eingerichtet, dass Männer immer glauben, stark sein zu müssen. Heutzutage, wo Schwäche etwas Schlechtes ist (und dazu gehört wohl auch Gefühle zu zeigen), glauben aber auch Frauen, stark sein zu müssen.
    Ich bleibe dabei, dass Gefühle ihre Daseinsberichtigung haben.
    Und wenn man einen Lebensgefährten verliert (dazu gehören alle Lebewesen, die einen begleiten), dann wäre es eher wider die Natur, nicht zu trauern.

    Mensch..jetzt hab ich die ganze Zeit das Bild mit nem Steinzeitmenschen im Kopf, der versucht, einen Dino in die kleine Höhle zu kriegen. 😕

    Gefällt 1 Person

  3. Ich schaue bei Menschen zuerst ins Herz, alles ander ist mir egal. Egal, ob männlich oder weiblich, egal die Vorlieben der Sexualität, die Rasse, die Hautfarbe. Aber hier gegenüber wohnt eine Lesbe, die offenbar eine lesbische Freundin hat, die sie oft besucht und ich grüße sie immer freundlich, aber sie verzieht immer nur das Gesicht und grüßt nicht zurück. Mag sein, ein Männerhass, weil ich auch durch mein Training als Kampfsportler etwas breitere Schultern habe und meine Haare als Gothic dunkel färbe und auch nur dunkel gekleidet bin. Sie sieht mich wohl als den typischen Macho, aber würde sie denken wie ich, würde sie erkennen, das ich eine feminine Seite habe, die Gefühle und Empathie nicht nur zulässt, sondern täglich lebt. Ein Mann der zehn Dachziegel mit der Stirn durchschlägt und trotzdem Tränen zulässt, Gefühle nicht einbunkert. Aber das musst ich erst werden durch die Erfahrung des Leidens und des Seelenschmerzes. Früher war ich ein Arschloch.

    LG PP 🙂

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