Eigentlich viel zu spät…

…30. Juni 2017. Gleichgeschlechtliche Ehen sind jetzt erst in Deutschlamd möglich. 

  

„Ihre Medizin“, wurde sie aus ihrem Mittagsschlaf gerissen. Mit heiserer Stimme bedankte sie sich bei der Pflegerin, ehe sie den Medizinbecher leerte. Sie konnte die Kapseln ihren Hals herunterwandern spüren. Einmal hatte ihr Enkel gesagt, man könne durch die dünne Haut sogar etwas sehen.

Die Zeit der Pflegerin war knapp bemessen, also gab es keinen Smalltalk heute. Aber das war nicht schlimm. In letzter Zeit fühlte sie sich ohnehin sehr müde. Immer häufiger schlief sie, so wie gerade, im Sessel ein.

Sie musste lange geschlafen haben, wenn die Abendtabletten schon dran waren. Als sie auf den Bildschirm des Fernsehers blickte, liefen bereits die Nachrichten. Sie stellte sie etwas lauter, auch, wenn sie sich inzwischen fremd in der Welt vorkam. So vieles war heute anders….

Dann traf es sie wie einen Schlag: Regenbogenfahnen auf den Straßen, sich küssende, gleichgeschlechtliche Paare…

Ihr blieb der Atem weg. Die Augen starr auf die Bilder gerichtet, bemerkte sie die Tränen auf ihrer Wange nicht sofort. Erst beim Wetterbericht zog sie ein Stofftaschentuch aus ihrem Rock und wischte die salzigen Tropfen aus ihrem Gesicht. 

2017.   

Ob Irene heute auch die Nachrichten sah? Die Tränen kamen erneut. Früher hatten Irene und sie ihre „Krankheit“ tagtäglich verbergen müssen. Nie hatten sie die Familie oder ihre Freunde eingeweiht.

Sie hatten geheiratet; Männer. 

Hatten Kinder; Irene sogar zwei.   

Und keiner wusste es. Wusste, das ausgerechnet die Einundneunzigjährige den 30.Juni 2017 so lange herbeigesehnt hatte.

Kurz darauf klingelte das Telefon. Es war Irene, deren Stimme vor freudiger Aufregung zitterte. 

„Ich liebe dich!“, wiederholte sie die Worte, die sie damals heimlich ausgetauscht hatten. „Ich liebe dich“, schluchzte Hannelore.    

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2 Gedanken zu “Eigentlich viel zu spät…

  1. Oscar Wilde wurde, weil er seine homosexuelle Neigung auslebte, zu zwei Jahren Zuchthaus mit scherer Zwangsarbeit verdonnerte, woran der Dichter zerbrach. Nach dem Gefängnis verließ er England, weil er von der damals doppelmoraligen Gesellschaft geächtet war. Er hat nie wieder geschrieben und wurde in Paris gesehen, als saufender Clochard.

    Ist aber auch viel die Religion dran schuld. Selbst Merkel hat mit „Nein“ gestimmtt. Es ist eben auch für manche Kleingeister schwer, sich aus dem Gefängnis des Irrtums zu befreien, wenn man sich nur früh genug indoktrinieren lässt. Merkel kommt ja aus einer Pfaffenfamilie. Ich halte sie für gewieft, aber nicht für intelligent.

    LG PP

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