Ein schlechtes Buch

Neulich las ich endlich jenen Roman, den ich seit Jahren ungelesen im Bücherregal zu stehen habe. Es ging um die Liebe zwischen zwei Freundinnen.

Die Hauptperson, eine Gymnasiastin, wird auf den ersten Seiten von einer Klassenkameradin angesprochen. Sie gehen zusammen in die Caféteria und sind schon bald Vertraute.

Dann geht die eigentliche Handlung los. Die Hauptperson verliebt sich in ihre Mitschülerin, die aber nichts davon ahnt. Die nächsten 200 Seiten sind voll mit Annäherungsversuchen der Hauptperson. Aber die Übernachtungen und das Händchenhalten deutet die Freundin lediglich als enge Vertrautheit. Der Höhepunkt der Geschichte ist dann, als die Hauptperson gemeinsam mit der Freundin in einem Bett schläft und sie zärtlich am Arm berührt. Obwohl ihre Angehimmelte das zulässt und sogar in den Armen der Hauptperson einschläft, ist am nächsten Tag keine Veränderung in ihrer Beziehung zu erkennen. 

Ach ja, da war natürlich auch noch ein Plottwist, als die starke angehimmelte Freundin plötzlich beichtet, dass sie depressiv ist. Natürlich bleibt die Hauptperson trotzdem bei ihr.

Mir ist die Hauptperson erst sympatisch, dann allerdings zu indirekt. „Nun sag es ihr doch einfach!“, denke ich immer häufiger. Doch das passiert nicht.

Das Buch endet damit, dass die Freundin der Hauptperson sich nach 12 Jahren Freundschaft plötzlich abkapselt. Sowohl die Hauptperson, als auch der Leser bleiben unwissend. Hat die Freundin den Kontakt abgebrochen, weil sie doch über die ihr entgegengebrachten Gefühle wusste, diese aber nicht zulassen will? Hat sich die Freundin vielleicht nach ihrer letzten depressiven Phase das Leben genommen? 

Ich hasse offene Enden und ich hasse den Verlauf der Geschichte. Ich wünschte, ich könnte dieses Buch einfach weggeben, damit ich es nie wieder lesen muss.

     

    

  

Aber dann merke ich, dass dieses Buch in Wahrheit meine Geschichte ist. Ich bin jene Hauptperson, die viel zu lange schwieg. Sie ist meine Freundin und hätte mehr sein können.  

  

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Ein Gedanke zu “Ein schlechtes Buch

  1. Ja ist nicht leicht, wenn man sich verliebt und Angst haben muss, den Partner zu verlieren, wenn man sich outet. In mich verkucken sich auch hin und wieder Männer, aber ich sag dann gleich, dass ich Hetero bin und nicht auf gleichgeschlechtliche Liebe stehe, obwohl ich lieber bi wäre, weil ich dann mehr Sex hätte. Aber wenns nicht geht, gehts nicht.

    Dennoch ist es schön, sich mit Schwulen zu unterhalten. Ich hab nichts gegen sie, mag sie eigentlich. Mein dritter Bruder ist schwul, na und? Keiner ist für seine Sexualität haftbar zu machen und die dunkle Zeit, wo man sich verstecken musst, ist Gott-sei-Dank vorbei. Dennoch haben viele Menschen falsche Vorurteile, sind intolerant und auch dumm. Ja, dumm. Das darf mal angemerkt sein.

    LG PP 🙂

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